A school in Koindu damaged during the Sierra Leone Civil War by RUF rebel forces · Laura Lartigue [54]

Herr M.B.
Herkunft

Bürgerkrieg in Sierra Leone

"Zur Geschichte des Landes und des Bürgerkrieges: Vom 16. Jahrhundert an errichteten Europäer, vor allem Briten, Handelsstationen entlang der Küste. Bis 1890 erfolgte die allmähliche Ausdehnung des britischen Herrschaftsbereiches, 1896 wurde das Gebiet britisches Protektorat. 1961 erlangte Sierra Leone die Unabhängikeit auf dem Verhandlungswege. Die folgenden 30 Jahre bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges 1991 waren gekennzeichnet von politischen Wirren, Militärumstürzen, Korruption und Wahlbetrug. Die Wirtschaftslage der einstigen Musterkolonie verschlechterte sich trotz der reichen Bodenschätze [vor allem Diamanten, Gold, Bauxit und Eisenerz ] schnell. 1991 begannen Kämpfer der Rebellenorganisation der RUF (Revolutionary United Front) unter der Führung von Foday Sankoh von Liberia aus den Bürgerkrieg. Sie wurden massiv unterstützt von dem damaligen Rebellenführer und späteren Präsidenten Charles Taylor. 1997 stürzten die Mitglieder der Rebellenorganisation AFRC (Armed Forces Revolutionary Council) mit Unterstützung der RUF die Regierung des 1996 gewählten Präsidenten Kabbah. Der Bürgekrieg entwickelte sich zu einem der brutalsten Konflikte Afrikas. [...] Die Rebellen ermordeten und verstümmelten Tausende unbewaffneter Zivilisten. [...] Auch die Kämpfer der regierungstreuen Milizen begingen schwere Menschenrechtsverbrechen. [...] Tausende von Kindern wurden von beiden Konfliktparteien zwangsrekrutiert und zum Kämpfen gezwungen. [...] Um den Konflikt zu beenden, schickte die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS (Economic Community of West African States) Truppen unter der Leitung von Nigeria. Doch Anfang Januar 1999 griffen die Rebellen Freetown an und verursachten ein Blutbad in der Stadt. [...] Die ECOMOG-Truppen konnten die Rebellen nach drei Wochen zurückdrängen. Es folgte ein Waffenstillstand. Am 7. Juli wurde in Lomé/Togo ein Friedensabkommen unterzeichnet. Auch nach dem Friedensschluss kam es weiterhin zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Erst der massive Einsatz von UNO Truppen und die fortschreitende Entwaffnung der Kämpfer beider Seiten durch die UNO führte zu einem spürbaren Rückgang der Übergriffe auf die Zivilbevölkerung. [...] wurde der Konflikt Anfang 2002 offiziell für beendet erklärt. [...] Mitte desselben Jahres nahmen die im Friedensvertrag vereinbarte Kommission für Versöhnung und Wahrheit (Truth and Reconciliation Commission, TRC) und der Sondergerichtshof (Special Court for Sierra Leone, SCSL) die Arbeit auf. [...] Von den Folgen des Bürgerkrieges hat sich Sierra Leone noch nicht erholt, es ist heute eines der ärmsten und rückständigsten Länder der Welt. Stand: September, 2009" (http://amnesty-sierra-leone.de/Geschichte_Land_Buergerkrieg_SierraLeone.pdf, Stand: September, 2009 ) [Der Krieg wurde vor allem durch den illegalen Handel mit Diamanten finanziert.]
Amnesty International Sierra Leone [56]

Community Development Organisation Sierra Leone

"Wenn die Kinder etwas älter sind, würde ich gerne zurückgehen und helfen das Land wieder aufzubauen. Es braucht Leute in Sierra Leone, die gut organisieren können. Es gibt viele Leute dort, die motiviert sind und arbeiten möchten, aber es fehlt an der Organisation. Das könnte ich sehr gut. Man braucht uns dort. Es gibt so viel zu helfen. Unserem Land könnte es besser gehen. ... Als ich Ende 2009 mit meiner Band in Sierra Leone auf Tournee war, habe ich in Makeni das ComDo-Salone Kinderprojekt gegründet. "Community Development Organisation Sierra Leone" will in Makeni für Kinder und Jugendliche Sportkurse und Schulkurse organisieren. Es ist wichtig, die Kids, die in den Krieg hineingeboren wurden oder durch ihn entwurzelt und hinterblieben sind, von der Strasse zu holen. Eine Investition in diese Kids ist gleichzeitig eine Investition für die Zukunft Sierra Leones. Die Idee ist, daß hier in Berlin Kleider und Spielzeuge, alte PC's , Schreibblöcke und Stifte als Spenden gesammelt und dann mit einem Container nach Sierra Leone geschickt werden. Vor Ort bringen wir die Sachen zu ComDo und unsere Band gibt in jeder Stadt, in der wir auftreten, zusätzlich ein Benefizkonzert zu Gunsten des Projekts. Längerfristig möchte ich auch das Haus, in dem ich aufgewachsen bin, für das Kinderprojekt nützen. Ich habe bereits mit meinem Bruder besprochen, daß die wir es nicht mehr weitervermieten sollen...." (Herr M. B.)
[57] Grundriss Kindheitsraum 1